1 Kind, 9 Monate, 1000 Fragen: 40 Jahre Schwangerschaftsberatung

Die Schwangerschaftsberatung der Caritas im Bistum Essen feiert am 25. April 2018 den 40. Geburtstag. Zur Erinnerung: 1976 wurde der Paragraph 218 reformiert. Ein Schwangerschaftsabbruch war künftig nicht mehr strafbar, sofern die Frauen vorher eine anerkannte Beratungsstelle aufsuchten. Daraufhin wurden im gesamten Bundesgebiet Schwangerschaftsberatungsstellen eingerichtet. Auch die Schwangerschaftberatung des Skf Essen-Mitte, die Mitglied des Caritasverbands ist, gibt es bereits seit 1976. Die letzte der insgesamt 13 Anlaufstellen der Caritas im Bistum Essen eröffnete 1978.

Die Feier steht unter dem Motto: „Ein Kind, neun Monate, tausend Fragen“. Denn eine Schwangerschaft bedeutet für jede Frau, für jedes Paar große Veränderungen: Da ist einerseits die Vorfreude auf das Baby, aber es tauchen auch viele offene Fragen, mitunter Ängste und Zweifel auf. Erst recht, wenn eine ungewollte Schwangerschaft unter ungünstigen Bedingungen verläuft. „Wir wollen Frauen unterstützen, die ihr Kind bekommen“, so Gabriele Pollaschek, Diözesanreferentin für Schwangerschaftsberatung des Caritasverbandes für das Bistum Essen. Die Haltung der katholischen Kirche, und damit der Caritas, ist eindeutig: „Jedes Kind hat ein Recht auf Leben“ heißt die klare Ansage.

Einen Beratungsschein, der Voraussetzung für eine straffreie Abtreibung ist, dürfen die Caritas-Mitarbeiter ohnehin nicht mehr ausstellen. Denn im Jahr 2001 verbot Papst Johannes Paul II. den deutschen Bischöfen, in den kirchlichen Beratungsstellen diese Scheine auszugeben. Zwar sagt Silva Beckmann, die seit 27 Jahren bei der Caritas Schwangere berät: „Die Konfliktberatung hat bei uns immer nur eine untergeordnete Rolle gespielt“. Sie spricht von einem Anteil von zehn, maximal 20 Prozent. Frauen, die zur Abtreibung entschlossen waren, hätten auch vor 2001 eher Beratungsstellen anderer Träger aufgesucht. Dennoch mussten die Caritas-Mitarbeiter neue Wege überlegen. „Es sind andere Angebote hinzugekommen, Kleiderstübchen mit Gesprächsangebot, Kurse zur Vorbereitung und Begleitung“, erklärt Gabriele Pollaschek.

Nur knapp 15 Prozent der Schwangeren, die 2017 zur Caritas im Bistum Essen kamen, waren erwerbstätig. Über 65 Prozent hatten keine abgeschlossene Berufsausbildung, die meisten lebten von staatlichen Leistungen. Es ist nicht verwunderlich, wenn Gabriele Pollaschek, sagt: „Die Klientinnen kommen überwiegend aus finanzieller Not.“ Die Caritas kann finanzielle Unterstützung aus der Bundesstiftung Mutter und Kind oder auch dem Fonds des Ruhrbistums in die Wege leiten. „Das ist der Türöffner, da wir tatsächlich auch finanziell helfen können. Aber dann geht es erst los. Überforderung, Konflikte mit dem Partner, den Eltern oder weiteren Kindern, prekäre Wohnsituation, Ärger mit dem Amt oder Arbeitgeber“. Wenn die Schwangeren Vertrauen zu der Beraterin gefasst haben, erzählen sie von ihren Sorgen. Letztendlich stelle nur die Hälfte von ihnen einen Antrag auf finanzielle Hilfe – weswegen sie eigentlich gekommen sind.

Hinweis: Am Mittwoch, 25. April, begeht die Caritas im Bistum Essen das 40jährige Bestehen ihrer Schwangerschaftsberatung ab 15 Uhr mit der Hl. Messe im Essener Dom mit Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck und einem Empfang ab 15 Uhr im Haus der Caritas, Am Porscheplatz 1, 45127 Essen.


Caritasverband